(Griech., „Wasser des Grauens“), in der griechischen Mythologie neben Acheron, Lethe, Kokytos, Phlegethon und Eridanus ein Fluss der Unterwelt und eine Flussgöttin. Hesiod zufolge ist St. die Tochter des Okeanos und der Tethys (weshalb vielleicht der Flussname im Griechischen weiblich ist ‒ die Styx).
Der Sage nach bildet der St. die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Hades, das er neunmal umfließt. Charon, der Fährmann, geleitet die Seelen der Verstorbenen über den Fluss. Als Bezahlung wurde den Toten eine Silbermünze (Obolus) in den Tod mitgegeben bzw. unter die Zunge gelegt.
Dem Wasser des St. haften verschiedene Eigenschaften an: Zum einen wurde Achilles, der Held der Ilias, von seiner Mutter Thetis darin gebadet, was ihn unverwundbar machte. Lediglich die Ferse, an der sie ihn festhielt, kam nicht mit dem Wasser in Berührung und blieb daher verwundbar. Diese „Achillesferse“ wurde ihm zum Verhängnis. Außerdem galt das Wasser als giftig. Nach einer in der Antike kursierenden Überlieferung wurde Alexander der Große damit vergiftet, was jedoch umstritten ist.
Der Totenfluss St. tauchte später auch als literarisches Motiv auf, u.a. in Dantes Göttlicher Komödie, bei Thomas Mann im Tod in Venedig oder im Gedicht Don Juan in der Unterwelt von Charles Baudelaire.
Am 2. Juli 2013 wurde der fünfte Mond des Zwergplaneten Pluto auf Basis eines Namensvorschlages Styx benannt.
Lit.: Homer, Ilias 2, 755; 14, 271; Hesiod, Theogonie 361; 385; Bethe, Erich: Styx, in: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. XI. Stuttgart: Metzler, 2001, Sp. 1064.