Sturm

Wie bei allen Naturgewalten, mit denen der Mensch konfrontiert ist, verortet das ursprüngliche, religiöse Denken aller Völker und Zeiten im St. übermenschliche Mächte, Riesen, Dämonen oder Götter. Dabei werden Wind und St. zum Teil als gestalt- und personhafte Wesen gedacht.
In der Mythologie, die weitgehend Natursymbolik darstellt, findet sich der Wind in verschiedenen dämonischen Gestalten. Laut Edda sitzt am Rande des Himmels der Riese Hraeswelg („Leichenverschlinger“) in Adlergestalt und verursacht durch seine Schwingen Wind und St. Neben dem Adler treten auch andere Tiere als Verkörperungen des Windes auf: Hund, Eber, Wolf, Pferd und Bär. Gemeinsam scheint dem indogermanischen Denken die Vorstellung von einem Herrn der Winde zu sein. So steht über den indischen Sturmgeistern der St.gott Rudra („der Heuler“). Die griechische Mythologie kennt den Windgott Aiolos, während in der germanischen Mythologie Wotan der Herr und Führer der Winde ist. Neben ihm tritt auch noch der St.riese Fasolt als wilder Jäger auf, wiewohl von den hier bekannten Windvorstellungen generell vor allem das lebendig geblieben zu sein scheint, was mit dem wilden Jäger und der wilden Jagd zu tun hat. Selbst historische Personen wurden von der Phantasie des Volkes zu St.dämonen in Gestalt des wilden Jägers umgedeutet.
Eine Art Wind- und St.zauber ist in der Anschauung gegeben, dass man neben Wind und St. auch Regen, Gewitter und Nebel hervorrufen könne, wenn man Steine in Schlünde, Höhlen, Abgründe oder Sümpfe wirft und Gewässer mit Ruten schlägt. Hier werden die Wind- und St.dämonen in der Tiefe der Erde hausend gedacht, aus der sie, wenn man sie reizt, durch die sog. Windlöcher emporsteigen.

Lit.: Bächtold-Stäubli, Hanns (Hrsg.): Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Bd. 9. Berlin u.a.: Walter de Gruyter, 1987, Sp. 629-656.

Setze ein Lesezeichen für den Permalink.