Im Volksglauben hat er Zugang zum Brunnen des Lebens, aus dem er die Kinder bringt. In Fabeln spielt er einen lehrerhaften Besserwisser. Mit seinen langen Beinen, seinen großen Flügeln und seinem langgezogenen Schnabel ist er unverwechselbar. Als wiederkehrender Zugvogel wurde er zum Frühlingsboten und Glücksbringer. Die in der barocken Kunst manchmal den Wagen der Ceres ziehenden Störche weisen als Gaben- und Glücksbringer angeblich auf eine gute Ernte hin.
Wo immer er brütet, ist er willkommen, steht er doch für Zukunft, Fruchtbarkeit und Leben. Gut behandelt, schützt er angeblich das Haus, auf dem er nistet. Seine Nester sollen den Eindruck vermitteln, dass es sich um eine lebenswerte Gegend handelt.
Wegen der liebevollen Behandlung seiner Jungen wurde er im Altertum „der fromme Vogel“ genannt und galt als heiliges Tier. In einer Fabel des griechischen Dichters Äsop (um 600 v. Chr.) erklärte sich der Vogel selbst zum frommsten aller Tiere. Bei den Römern war der St. Attribut der Pietas, der Personifikation der Elternliebe. Als Schlangenfeind wurde er zum Symbol Christi (Physiologus). Der deutsche Volksmund gab dem alljährlich zu seiner Stammbrutstätte zurückkehrenden Weißstorch den Namen „Freund Adebar“ (ahd. ôdebero, von ôd, Gabe, Besitz, Wohlstand; bern, tragen, bringen). Nicht zuletzt deshalb werden ihm Ausdauer und Orientierungssinn als besondere Fähigkeiten zugeschrieben.
In China symbolisierte der St. Langlebigkeit und verlieh Hoffnung auf Glück und Zufriedenheit im Alter.
Lit.: Kahl, M. Philip: Welt der Störche. Hamburg/Berlin: Parey, 1981; Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991.