Nach wie vor nicht eindeutig geklärt ist, wie die gigantischen Steinblöcke des Megalith-Bauwerks an ihren jetzigen Standort gelangten. Von einer Anlieferung auf dem Landweg geht man nach neueren Erkenntnissen wegen des damals dichten Waldbestandes nicht aus, wohingegen ein Transport durch Eisströme von Geologen favorisiert wird. Darauf würden in dem Gebiet befindliche Glazialablagerungen, Geschiebevorkommen und durch Schmelzwässer geformte Täler hinweisen. Wie jedenfalls von der Universität im walisischen Aberystwyth zu vernehmen ist, handle es sich um die längste Strecke, die für einen Stein zur Zeit der Entstehung von Stonehenge je dokumentiert wurde.
Um die Anlage, in der Gesteinsblöcke in konzentrischen Kreisen angeordnet sind und sich mitunter senkrecht stehende Pfeilersteine mit horizontal liegenden Decksteinen befinden, ranken sich viele magische Vorstellungen. Der Komplex umfasst insgesamt vier Steinkreise, drei sie umschließende Löcherkreise (ringförmig angelegte Grabstellen) sowie einen äußeren Erdwall ‒ entstanden in der Zeit von vor 4500 bis vor 3500 Jahren. Um ca. 1100 v. Chr. wurde die Anlage offensichtlich aufgegeben.
Über den Zweck gibt es verschiedene Theorien, wobei von einer kultischen Bedeutung ausgegangen werden darf. Möglicherweise spielten auch astronomische Beobachtungen eine Rolle, weil die Anlage zum Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ausgerichtet ist. Die bis zu 25 Tonnen schweren Steinkolosse, die angeblich aus einem mehr als 380 km entfernten Steinbruch in Pembrokeshire im Südwesten von Wales stammen, könnten laut Wissenschaftlern eine Art Kalender verkörpert haben, mit dessen Hilfe die Sommer- und Wintersonnenwende vorausgesagt wurde.
Weiters steht die Frage im Raum, ob es sich um eine Begräbnisstätte oder um eine Heilstätte handelte. Britische Wissenschaftler der Universität Birmingham stellten in einem vier Jahre dauernden Projekt unter Zuhilfenahme einer neuartigen Scanmethode mittels Metalldetektoren, Bodenradar, elektromagnetischen Sensoren und Lasern fest, dass der prähistorische Steinkreis ursprünglich von Hunderten von Gräbern und Tempeln gesäumt war. So entdeckte man unter der Erde 17 bislang unbekannte Holz- oder Steinstrukturen und etliche neue Grabhügel, von denen einige bis zu 6000 Jahre alt sein sollen. Auch ein 33 Meter langes und acht Meter breites Grab mit einem massiven Holzhaus konnte lokalisiert werden. Vermutet wird, dass dort komplexe Toten-Rituale stattfanden.
Lit.: Pryor, Francis: Stonehenge. The story of a sacred landscape. New York: Pegasus Books, 2018; Pitts, Mike: How to build Stonehenge. London/New York: Thames & Hudson, 2022.