(* Um 1360; † um 1402 Hamburg), legendärer Freibeuter, soll neben Michel Gödeke auf Nord- und Ostsee Raubfahrten unternommen haben. Historisch ist über die beiden so gut wie nichts bekannt. Umso reichhaltiger ist die Sage, die sich um beide rankt. So soll St. ein Edelmann gewesen sein, der sein Vermögen verprasst und sich daher dem Piratenführer Gödeke angeschlossen hatte. Der Name „Störtebeker“ leitete sich davon ab, dass er angeblich einen vier Flaschen fassenden Becher Wein in einem Zug hinunterstürzen konnte (Sturzbecher).
Durch Raubzüge soll St. unermessliche Schätze angehäuft haben, die heute noch ihrer Entdeckung harren. Während er die reichen Kauffahrer angeblich rücksichtslos ausraubte, soll er anderen Überlieferungen zufolge armen Leuten gegenüber als eine Art „Robin Hood“ aufgetreten sein. Gelegentlich trägt seine Gestalt auch mythische Züge, man sagte ihm allerhand zauberische Fähigkeiten nach. Vor seiner Hinrichtung soll er darum gebeten haben, ihn als Ersten zu enthaupten und all jene zu begnadigen, an denen er nach der Hinrichtung noch vorbeilaufen könne. Als der wandelnde Leichnam beim elften Piraten angekommen war, warf ihm der Henker einen Holzblock zwischen die Beine, so dass er stürzte. Daraufhin wurden elf Piraten freigelassen und die übrigen auf den Grasbrook, die Richtstätte der Hansestadt, geführt.
Lit.: Der Schwarze Führer Deutschland. Zusammenstellung von Johanna M. Ziemann. Freiburg i.Br.: Eulen Verlag, 2000.