Mit dem sog. St. befasste sich bereits in den 1960er Jahren vor allem der lettische Parapsychologe Konstantin Raudive (1909-1974). Den Anlass zu seinen Forschungen gab der Pionier der Transkommunikationsforschung, Friedrich Jürgenson (1903-1987), der 1959 auf einer Tonbandeinspielung eigenartige, schnell und gepresst sprechende Stimmen wahrnahm, die er als jenseitig bezeichnete. Die Möglichkeit eines Kontakts mit Verstorbenen mittels elektronischer Apparate hatte bereits 1936 der englische Physiker Sir Oliver Lodge (1851-1940) vorausgesagt. Unterstützt durch Wissenschaftler verschiedenster Richtungen (Physiker, Elektronik-Spezialisten, Psychologen) untersuchte Raudive die akustische Erscheinung nach allen Gesichtspunkten. Die Analyse der bis dahin ca. 80.000 registrierten Stimmen ergab nach seiner Beurteilung, dass sich das Phänomen als außermenschlich definieren lasse.
Der Schweizer Parapsychologe Prof. Gebhard Frei (1905-1967) schrieb in einem Vorwort zu Raudives Buch Unhörbares wird hörbar, dass ‒ nach allem, was er gelesen und gehört habe ‒ allein die Hypothese, die Stimmen stammten von transzendenten, personalen Wesenheiten, den ganzen Umfang der Phänomene erklären könne.
Zu untersuchen sind in erster Linie Aufnahme- und Abhörmethoden. So müssen beim St. die technischen Vorgänge und die verschiedenen Methoden miteinander verglichen werden, um die Möglichkeiten von Täuschungen und Trugschlüssen auszuschließen. Schwierigkeiten ergeben sich bereits bei der Abklärung der primären physischen Strahlenquelle: Handelt es sich um physikalisch vorläufig nicht weiter begreifbare Telekinese, sind es elektromagnetische Strahlungen oder kann eine bisher unbekannte Energiestrahlung in den für den Empfang elektromagnetischer Strahlung gebauten Geräten ähnliche Wirkung erzeugen?
Die Beweisfülle sei jedenfalls ausreichend ‒ so der Physiker Alex Schneider (1927-2012) ‒ , um das St. als paranormalen Vorgang zu betrachten. Der Physiker müsse immer betonen, dass es keine Gesetze gibt, die Erscheinungen dieser Art verbieten.
Lit.: Resch, Andreas: Imago Mundi: 15 Kongresse in einem Band (Reihe R; 14). Innsbruck: Resch, 2019, S. 47-50.