St. und Schweigen bezeichnen in der Mystik nahezu gleichwertige Grundhaltungen, wenngleich Schweigen im Sinne einer Tugendübung als Vermeiden des Redens und St. als ein Ort der Ruhe und des Friedens verstanden werden kann.
Alle Religionen betonen die Notwendigkeit der St., damit Gott sprechen kann. Schon für die spätantike Mystik bedeutet St. das größte Lob, das man der Gottheit darbringen kann. Hinduismus und Buddhismus verlangen ein Aufhören des Denkens und die wortlose Versenkung. Im Islam und im Judentum ist die Rede von schweigendem Verweilen in der erfahrenen oder geglaubten Gegenwart des Heiligen. Laut Neuplatonismus und Pseudo-Dionysius steht „Gott über allem Absprechen und Aussagen“, weshalb der Mensch mangels begrifflicher Ausdrücke schweigen müsse. Darum gründeten die Mönche ihre Klöster fernab vom Lärm der Welt an einsamen Orten, um sich dem Hören des Wortes hinzugeben. Die Mystiker des Mittelalters geben an, nur stammelnd vom Inhalt ihrer Erfahrungen berichten zu können und wollen diesen daher, innerlich überwältigt, im Schweigen verbergen.
Lit.: Dinzelbacher, Peter: Wörterbuch der Mystik. Stuttgart: Kröner, 1989.