(Griech. stigma, Stich, Fleck, Brandmal), Phänomen des Auftretens der Leidensmale (Stigmata) Jesu Christi an einem Menschen in äußerlich sichtbarer oder bloß innerlicher Ausprägung.
Zur Stigmenbildung kommt es im Allgemeinen völlig spontan, meist während einer Ekstase. „Echte Stigmen“ seien aufgrund folgender Eigenschaften zu erkennen:
1) Spontanes Auftreten;
2) signifikante Gewebsveränderung;
3) Beständigkeit und Unveränderlichkeit trotz aller Therapien;
4) Blutungen;
5) Fehlen von Infektionen und/oder Eiterungen;
6) plötzliches Verschwinden ohne Hinterlassen von Spuren.
Echte Stigmen können weder bewusst noch durch Suggestion oder Hypnose hervorgerufen bzw. zum Verschwinden gebracht werden. Sie sind aber auch nicht unbhängig vom Gesamtkontext des Lebens einer Person zu betrachten, weil sich dieses in den meisten Fällen auch noch durch andere Charismen auszeichnet (Nahrungslosigkeit, Ekstasen, Visionen, Gabe der Prophetie).
Geschichtlich gesehen geht der erste belegte Fall einer echten St. auf den hl. Franz von Assisi zurück, der am 14. September 1224 auf dem Berg La Verna in der Nähe von Assisi, Italien, davon getroffen wurde.
Als weitere exemplarische Fälle sind zu nennen: Anna Katharina Emmerick, Therese Neumann, Pater Pio von Pietrelcina (Francesco Forgione) und Myrna Nazzour.
Nicht zuletzt gilt St. als ambivalentes mystisches Phänomen, das auch psychogen sein kann. Der Einzelfall erhält seine Wertung aus der Art der Gesamtpersönlichkeit des Stigmenträgers.
Lit.: Festa, Giorgio: Misteri di scienza e luci di fede: le stigmate di padre Pio da Pietrelcina. Roma: Stab. tipo-litografico V. Ferri, 1949; Resch, Andreas: Paranormologie und Religion (Imago Mundi; 15). Innsbruck: Resch, 1997; ders.: Myrna: die Ereignisse von Sufanieh: Ölwunder, Marienerscheinungen, Ekstasen, Christusvisionen, Stigmen, Botschaften (Reihe R; 4). Innsbruck: Resch, 2009; ders.: Religiöse Erfahrungen und Wunder (Reihe R; 13). Innsbruck: Resch, 2018, S. 319-339.