Sternomantie

(Altgriech. sternon, Brust, Brustbein; manteia, Weissagung), heute nicht mehr praktizierte Methode des Wahrsagens aus physischen Merkmalen (Markierungen, Beulen, Flecken, Risse) im menschlichen Brustbereich, der sich bis zum Bauch erstreckt. Auf diese Weise sollten künftige Ereignisse oder verborgenes Wissen erschlossen werden.
In einigen historischen Kontexten schloss die St. auch ventriloquistische Techniken mit ein, die als „durch die Brust sprechen“ bezeichnet wurden, um Geister zu kanalisieren und Vorhersagen zu liefern.
Die Praxis der St. hat ihre Wurzeln in alten mesopotamischen Ritualen (ca. 2000-2600 v. Chr.), wo Wahrsager die Kadaver von Opfervögeln untersuchten, um Omen der Götter zu interpretieren. Der betreffende Vogel diente dabei als mikrokosmisches Medium für die göttliche Kommunikation.
Ähnliche Entwicklungen zeigten sich zu gleicher Zeit in anderen Kulturen, z.B. in der Shang-Dynastie Chinas (ca. 1600-1046 v. Chr.), wo Risse an der betreffenden Stelle als Vorzeichen für königliche Entscheidungen über Krieg und Landwirtschaft dienten.
Im 16. Jh. fand die St. in satirischer Weise Erwähnung in François Rabelais’ Romanzyklus Gargantua und Pantagruel. Im 17. Jh. tauchte der Begriff in Listen veralteter Wahrsageformen des englischen Geistlichen John Gaule auf. Im 19. Jh. wies der schottische Schriftsteller Charles Mackay in seinem Buch Memoirs of Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds (1841) auf die St. hin, um veraltete Formen der Wahrsagerei zu veranschaulichen, die von der Antike her überlebt hatten.
Aufgrund christlicher Verbote der Weissagung verschwand der Begriff der St. zunehemend aus offiziellen Kontexten, wenngleich Elemente der knochenbasierten Wahrsagerei in ländlichen europäischen Traditionen überlebten und in Volksheilkunde oder saisonale Riten Eingang fanden.

Lit.: Bächtold-Stäubli, Hanns (Hrsg.): Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Bd. 8. Berlin u.a.: Walter de Gruyter, 1987.

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