Auch Steinverehrung. Ihr Aufkommen setzt das Erleben einer dem Stein innewohnenden geheimnisvollen Macht voraus. So spricht schon der phönizische Historiker Philo von Byblos von „beseelten Steinen“. Der Eindruck des Mysteriösen, Machtgeladenen entstand manchmal durch ihre Form (z.B. Phallussteine) oder die Ungewissheit ihrer Herkunft (Meteorsteine).
In der Annahme, ein Stein berge Kräfte, versuchte der Mensch seit jeher, diese auf sich überzuleiten. So musste der brahmanische Schüler bei seiner Initiation auf einem Stein stehen, um fest zu werden; ebenso die indische Braut bei der Hochzeit, um die Stabilität der Ehe zu garantieren.
Der Stein kann auch selbst zur Opfermaterie werden. So wurden in der altmongolischen Religion an Kultstätten Steine zusammengeworfen, wodurch Steinhaufen (obos) zur kultischen Verehrung entstanden.
Ursprünglich konnte der Stein selbst in seiner natürlichen Form als heilig erlebt werden. Bei fortschreitender Gottesauffassung ging man dann dazu über, ihn so zu behauen, dass er zum Bild des verehrten Gottes wurde.
Lit.: Bertholet, Alfred: Wörterbuch der Religionen. Stuttgart: Kröner, 4. Aufl. 1985; Mylonopoulos, Ioannis (Hrsg.): Divine Images and Human Imaginations in Ancient Greece and Rome. Leiden: Brill, 2010.