Steinkreis

Rundliche Anordnung von aufrecht stehenden (oder liegenden) Steinen, die nicht als Einfassung dient. Die Begehbarkeit ist von allen Seiten gegeben.
S.e sind Zeugen einer urzeitlichen Kultur und Religion, die vor allem im keltischen Raum anzutreffen sind. Sie werden vornehmlich von neuheidnischen Gruppen als Kraftplätze für Meditationen oder rituelle Versammlungen aufgesucht. In Skandinavien vermutete man, es handle sich bei den S.en um ehemalige Thingplätze, wo Gerichtsversammlungen abgehalten wurden. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden solche Orte dann häufiger als Grabstätten gedeutet.
Bei einer vergleichenden Betrachtung der räumlichen Anordnung der Steine in den megalithischen Monumenten zeigt sich, dass Gerade und Kreisform überwiegen, während die Betonung des Rechtecks einer späteren Zeit vorbehalten bleibt. Bedeutsam ist die kreisförmige Anordnung, wie sie z.B. bei den Monumenten von Stonehenge oder bei den Rollright Stones bei Oxfordshire auffällt. Der Kreis ist hier gewissermaßen eine Ausdehnung oder Projektion des Zentrums. Nach Plotin ist das Zentrum der Vater des Kreises; das Verhältnis ist wie das Gottes zur Schöpfung. Der Kreis deutet die innere Vollendung der Harmonie an, die Abwesenheit von Teilung und Differenzierung. Als Sinnbild der Harmonie des Geistes zeugt er von dessen dynamischer Einwirkung im Kosmos. Der Kreis ist nicht nur Zeichen der Zeitmessung, d.h. Zeichen der Eingrenzung und Ordnung im Zeitkontinuum. Da die von ihm dargestellte Bewegung weder Anfang noch Ende hat, deutet er auch auf die Aufhebung der Zeit hin.
Das Nebeneinander und die Verbindung von kreisförmigen und viereckigen Formen bei Bauten, z.B. bei Heiligtümern, ist ein Bild der Interrelatio zwischen Himmel (Kreis) und Erde (Viereck). C.G. Jung fasst den Kreis als archetypisches Bild der Totalität der Psyche auf, während das Viereck Ausdruck pluralistisch-antagonistischer Kräfte sei.
Der Bedeutungsgehalt des Kreises wird durch die Zirkumambulation verstärkt. So ist es vorstellbar, dass sich eine Prozession prähistorischer Menschen zunächst den Alignements entlang in einer Geraden nach vorn bewegte, um darauf innerhalb des anschließenden Cromlechs zu einer kreisförmigen Umschreitung des Zentrums überzugehen. Die Zirkumambulation ist eine „Nachahmung der Bewegung des Himmels“ und dient der „Konzentration auf die Mitte, auf den Ort der schöpferischen Wandlung“. Der Mensch der Vorzeit ahnte, dass in seiner Psyche energetische Prozesse von großer Bedeutung abliefen, auch wenn er sich über Art und Tragweite keine präzisen Vorstellungen machen konnte. Durch Riten, zu denen die megalithischen Denkmäler die Kulisse bildeten, suchte er seine geistige Entwicklung zu unterstützen.

Lit.: Reden, Sibylle von: Die Megalith-Kulturen. Köln: DuMont, 6. Aufl. 1989; Burl, Aubrey: Great Stone Circles. New Haven: Yale University Press, 1999; Bossard, Robert: Zur Bedeutung der megalithischen Monumente in der geistigen und politischen Entwicklung des Menschen. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 42 (1993) 2, 137-160.

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