Steiner, Rudolf

(* 27.02.1861 Kraljevica, Kroatien; † 30.03.1925 Dornach bei Basel, Schweiz), Dr. phil., esoterischer Schriftsteller, Begründer der Anthroposophie und der Anthroposophischen Gesellschaft (1913), Religionsphilosoph.
1879-90 Studium der Naturwissenschaften und Philososophie in Wien; von 1882 bis 1897 Herausgeber der naturwissenschaftlichen Schriften Johann Wolfgang von Goethes, zunächst im Rahmen der Deutschen Nationaliteratur Joseph Kürschners, dann (ab 1890) als Mitarbeiter des gerade gegründeten Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar, wo er sich zwecks Herausgabe der Goethe’schen Naturwissenschaftlichen Schriften bis 1898 aufhielt. 1891 promovierte S. in Rostock mit einer Arbeit, die 1892 als „Wahrheit und Wissenschaft“ erschien. 1897 wurde er in Berlin Herausgeber des „Magazins für Literatur“.
Als 1902 eine Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft gegründet wurde und sich die deutschen Theosophen auf keinen Vorsitzenden einigen konnten, war S. der Kompromisskandidat und wurde zum Generalsekretär der deutschen Sektion der Adyar-TG gewählt ‒ eine Aufgabe, die er bis 1912/13 innehatte, als es wegen des Kults um Krishnamurti zum Bruch mit ihr kam.
Nach Ausschluss der deutschen Sektion aus der TG konstituierte sich diese im Februar 1913 unter S. zur „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“. Im gleichen Jahr kam es zur Gründung des Goetheanums in Dornach/CH als Kult- und Lehrzentrum der anthroposophischen Bewegung, deren Neubegründung vor der Jahreswende 1923/24 erfolgte.
Die esoterische Philosophie S.s ist monistisch-pantheistisch geprägt. Als außerordentlich fruchtbarer Redner und Schriftsteller beschäftigte er sich mit so verschiedenen Gebieten wie Religion, Pädagogik, Medizin, Ästhetik, Psychologie, Soziologie und trat nicht zuletzt als Dichter hervor.
S. war auch der erste Leiter der vom Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, E. Molt, für die Kinder seiner Arbeiter und Angestellten gegründeten Waldorfschule in Stuttgart (1919).

W. (40 Bücher, Auwahl): Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goethe’schen Weltanschauung (1886); Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung; Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums (1902); Wie erlangt man die Erkenntnis der höheren Welten (1904); Theosophie (1904); Die Geheimwissenschaft (1909). Gesamtausgabe der Werke hrsg. v. d. R.-Steiner-Nachlassverwaltung (1961ff.).
Lit.: Rudolf Steiner: Das literarische u. künstlerische Werk: eine bibliographische Übersicht. Zu seinem 100. Geburtstag 27. Februar 1961, hrsg. v. der R. Steiner-Nachlassverwaltung Dornach/CH, 1961; Kugler, Walter: R. Steiner und die Anthroposophie (1978); ders.: Gesamtausgabe. Dornach, 1988; Lindenberg, Christoph: R. Steiner ‒ Eine Chronik. Stuttgart, 1988; Bock, Emil: R. Steiner-Studien zu seinem Lebensgang. Stutzig, 1990; Beck, W.: R. Steiner: sein Leben und Werk (1997); Lindenberg, Ch.: Eine Biographie, 2 Bde. (1997); Motel, E.: Register zur R. Steiner- Gesamtausgabe. 2. Aufl., 1998; Rudolf Steiner mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 7. Aufl. 2000.

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