Stein der Weisen

(Lat. lapis philosophorum bzw. philosophicum, ultima materia; engl. philosopher’s stone), in der Alchemie das legendäre Endprodukt eines Läuterungsprozesses in vier bis sieben Stufen, durch das sich unedle in edle Metalle umwandeln ließen. Der Herstellungsprozess nannte sich Magisterium (Meisterstück):
1. Solution oder Liquefaktion, d.h. Verflüssigung der materia prima (Urmaterie) in „Merkurialwasser“ (universelles Auflösungsmittel).
2. Sie wird im venter equinum, im „Bauch der Erde“ vergraben, schwärzt sich dabei (nigredo) und verfault (Putrefaktion).
3. Die Schwärze hellt sich wieder auf (albedo).
4. Der durch Verdunstung verloren gegangene Geist muss wieder zurückgegeben werden (Reduktion), die Materie wird mit lacta philosophica (philosophische Milch) genährt und die Farbe wird zunächst gelb (citrinitas).
5. Die Materie rötet sich (rubedo) und „wütet als roter Drache gegen sich selbst“, bis sie sich in „Blut verwandelt“. Dies zeige, dass die Reduktion geglückt ist.
6. Nun muss durch die Coagulation oder Fixation der Geist wieder feste Form annehmen.
8. Endprodukt: der Stein der Weisen (lapis philosophorum).

Dieser Vorgang, der bei Basilius Valentinus (Erfurt, ca. 15. Jh.) und Paracelsus (1493-1541) in 7 Stufen erfolgte, wird bei anderen Alchemisten abgekürzt in 4 Stadien beschrieben, wobei die oben geschilderten Stufen in verschiedenen Quellen abweichend bezeichnet werden.
Der Grundgedanke ist der von der Umwandelbarkeit der Elemente durch Läuterung durch einen Prozess, der zunächst einen Abstieg in tiefe Regionen, dann einen Aufstieg auf eine höhere Ebene enthält.
Mit Hilfe des Steins der Weisen könne aus Blei oder Quecksilber Gold oder auch das aurum potabile bzw. elixir vitae hergestellt werden.
Die Bezeichnung „Stein“ hängt möglicherweise mit dem Glauben an die Wunderkraft der Edelsteine zusammen. > Lapis philosophorum.

Lit.: Biedermann, Hans: Handlexikon der magischen Künste. Graz: Akadem. Druck- u. Verlagsanst., 1973; Schütt, Hans-Werner: Auf der Suche nach dem Stein der Weisen: die Geschichte der Alchemie. München: C.H. Beck, 2000; Doberer, Kurt Karl: Die Goldmacher: zehntausend Jahre Alchemie. München: Universitas-Verlag, 2. Aufl. 2003.

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