Stechapfel

(Datura stramonium), im Volksmund u.a. auch „Tollkraut“ genannt; ursprünglich aus Zentralamerika stammendes und besonders bei den Schamanen Mexikos und Südamerikas gebräuchliches psychedelisches Nachtschattengewächs, mit dem sich magische Vorstellungen verbinden. Es enthält wie die Tollkirsche Atropin sowie Stramonium und ist hochgiftig. Im Zauberglauben wurde der S. zur Erzeugung von Ekstasen verwendet. So kauten die Priester peruanischer Sonnentempel die Körner der Pflanze, um die für die Weissagungen nötige Inspiration zu erlangen. Ebenso brauten die Peruaner daraus den „Tongatrank“, der in verdünntem Zustand als Schlafmittel diente, unverdünnt genossen jedoch Tobsuchtsanfälle erzeugte.
Im Orient verarbeitete man S.gewächse zusammen mit Mandragora auch zu Tabaken, deren Rausch sexuelle Traumbilder hervorrief.
In europäischen Breiten wurden aus den Samen des S.s Liebestränke gemischt, Salben gekocht und narkotische Räuchermittel hergestellt. Er war nicht zuletzt Bestandteil mancher mittelalterlicher Hexensalbe. So gilt als gesichert, dass sich in den Hexensalben vieler nach Inquisitionsverfahren Hingerichteter giftige und narkotische Substanzen befanden, die auf den S. schließen lassen. In der Literatur liegen dazu Originalrezepte vor.

Lit.: Schöpf, Hans: Zauberkräuter. Graz: Akadem. Druck- u. Verlagsanst., 1986.

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