Stahl, Georg Ernst

(1659-1734), deutscher Arzt, Chemiker, Naturforscher, der bisweilen als Begründer des Animismus bezeichnet wird, weil seiner Ansicht nach die körperlichen Vorgänge durch die seelischen bestimmt würden. Unter „Seele“ verstand er nicht nur bewusste Vorgänge, sondern er betonte die Existenz eines wirkenden Unbewussten. An S.s Gedanken knüpfte später der Vitalismus an. Aufgrund seines Konzepts des Animismus setzte S. in der Therapie vornehmlich auf die Selbstheilungskräfte des Menschen.
S. war kein Alchemist. Wenngleich er in seiner Jenaer Zeit eine Universalmedizin noch für möglich hielt, löste er sich in der Folge zunehmend von alchemischen Vorstellungen. Seine strikte Trennung von lebender und toter Materie und das erwähnte Konzept einer Anima ist nicht alchemisch. Allerdings entspringt die von Johann Joachim Becher übernommene Theorie des Phlogistons („das Verbrennliche“), die S. jedoch systematisierte und durch experimentelle Resultate untermauerte, alchemischem Gedankengut.

W.: Theoria medica vera (Halle, 1707).
Lit.:
Priesner, Klaus/Figala, Karin: Alchemie (Hrsg.): Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München: Beck, 1998.

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