Staborakel

Auch Stäbchenorakel, von dem römischen Schriftsteller Tacitus (Germania, Kap. 10) überlieferte antike Wahrsageform. Einen Zweig, der von einem fruchtbringenden Baum abgeschnitten wurde, zerteilte man in kleine Stäbe, die sodann über ein weißes Linnen gestreut wurden. Daraufhin betete der um Rat Gefragte bzw. der Priester zu den Göttern, indem er zum Himmel aufblickte und drei Stäbchen nacheinander aufhob. Diese wurden nach dem Zeichen gedeutet, das vorher auf jedes eingeritzt worden war. Waren die Zeichen günstig, suchte man noch die Bestätigung durch Vorzeichen zu erlangen. Es war üblich, Stimme und Flug der Vögel dafür zu beobachten. Die römischen Auguren der Spätzeit setzten solche Orakelfindungen so lange fort, bis sich ein günstiges Ergebnis zeigte.
Bei komplizierteren Verfahren wurden so viele Stäbchen benutzt, wie das Alphabet Buchstaben hat. Die auf den Stäben eingeritzten Buchstaben ergaben dann beim Wurf bestimmte Zusammensetzungen, deren Sprache nur noch „übersetzt“ werden musste.
Bei einer weiteren Variante wurden dem Fragesteller drei Stäbchen in den Schoß geworfen, von denen jedes eine schwarze und eine weiße Seite besaß. Zeigten zwei der Stäbe mit der schwarzen Seite nach oben, galt die Antwort des Orakels als negativ.

Lit.: Bauer, Wolfgang/Zerling, Klemens: Das Lexikon der Orakel: der Blick in die Zukunft. München: Athmosphären Verlag, 2004.

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