Symbol für Macht, für magisches Wissen (Zauberstab), Herrscherattribut (Zepter), Richterstab. In letzterem Zusammenhang symbolisiert z.B. das Stabbrechen den Ausschluss aus der Rechtsgemeinschaft bzw. ein unwiderrufliches Urteil.
Die Verbindung zu Zweig und Baum kommt im Motiv des grünenden S.s zum Ausdruck (Num 17,16-25).
Die dem S. zugeschriebene Kraft ließ ihn zu einem wichtigen Zauberrequisit werden. So schlägt Moses mit seinem S. Wasser aus dem Felsen. Kirke verwandelt die Gefährten des Odysseus in Tiere. Hermes holt mit seinem Zauber-S. die Seelen aus der Unterwelt.
Der mit einem Pinienzapfen bekrönte und mit Weinlaub umwundene Thyrsos-S. der Dionysos-Mysterien sowie im Kult antiker Muttergottheiten galt als Fruchtbarkeitssymbol.
Eine Verbindung von S. und Schlange war schon im alten Mesopotamien gegeben. Besonders eindrucksvoll wird dies in Ex 7,9 dargelegt, wo der von Aaron vor den Pharao hingeworfene S. zu einer Schlange wird, dieser daraufhin seine Beschwörungspriester ruft und sie mit Hilfe ihrer Zauberkunst das Gleiche tun. Doch Aarons S. verschlingt die Stäbe der Wahrsager.
Der römische Gott Merkur trennte nach einer antiken Interpretation zwei sich bekämpfende Schlangen mit einem Stab, dem sog. Caduceus, woraufhin dieser zu einem Symbol des Friedens wurde. Zu unterscheiden ist der Caduceus vom Äskulapstab des griechischen Heilgottes Asklepios, der von nur einer Schlange umwunden ist.
In der altchristlichen Kunst erweckt Christus mit einem S. Lazarus. Als Guter Hirte trägt er aber auch den Hirten-S., von dem sich ideengeschichtlich seit dem 5./6. Jh. der Bischofs-S. ableitet.
Auch Engel tragen in der bildlichen (vornehmlich byzantinischen) Kunst zum Zeichen ihrer Botenfunktion häufig einen langen Botenstab.
Lit: Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991.