Von lat. spiritus, was zunächst „Atem“ bzw. „Hauch“ bedeutet, im allgemeinsten Sinn „Geist“ im Gegensatz zum Körper (corpus), zum materiellen stofflichen Prinzip. Der Geist eines Körpers ist demzufolge die Essenz oder der innerste Charakter desselben bzw. bezeichnet die Gesamtheit der einem Stoff innewohnenden höchsten Eigenschaften oder Kräfte. So brachte man den Begriff schon früh auch mit „Inspiration“ („Einhauchung“) in Verbindung. Livius z.B. sprach davon, dass jemand von einem „göttlichen spiritus“ angerührt sei, und Cicero erwähnte Menschen mit einem „sizilianischen spiritus“.
In der Alchemie meinte man mit S. besonders flüchtige Stoffe (etwa Schwefel, Quecksilber usw.) im Gegensatz zu nichtflüchtigen Stoffen, vor allem Metallen.
In der Pharmakologie wurde der Begriff bei durch Destillation erhaltenen Präparaten verwendet, die Geruchs- oder Geschmacksstoffe der Ausgangssubstanzen enthalten, z.B. Spiritus vini aus Wein, Spiritus salis aus Kochsalz, Spiritus urinosi aus Tierprodukten.
Lit.: Schneider, Wolfgang: Lexikon alchemistisch-pharmazeutischer Symbole. Weinheim: Verlag Chemie, 1962; Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik. Wiesbaden: fourier, 1991.