(Lat. spiritus, Atem, Hauch). Atem und Hauch sind etwas Physisches, aber Unsichtbares. Schon zur Zeit der Klassik wurde mit spiritus auch die Inspiration („Einhauchung“) durch einen Dichter oder Gott bezeichnet. Mit dem Wort umschrieb man jene unsichtbare, jedoch reale Formkraft, die dem Leben eines Menschen oder einer Gruppe Gestalt verleiht.
Der Begriff wird besonders seit den 1970/80er Jahren von katholischen Autoren verwendet. Früher meinte man damit oft abwertend „Frömmigkeit“, wobei diese eher eine engere persönliche Lebensgestaltung aus dem Glauben in den Blick nimmt, während S. von einer Vielgestaltigkeit des Geistwirkens ausgeht. Der Begriff inkludiert das franz. spiritualité aus der Mönchstheologie und das engl. spirituality (mit dem Bereich der „spirits“ zwischen Mensch und Gott) und betont religiöse Individualität und Erfahrung. Wichtig ist dabei, dass ein Bezug zur unmittelbaren Lebenswelt und Lebensweise hergestellt ist.
Vertreter des New Age erklärten die S. zu einer höheren Stufe von Religion. Ihrer Meinung nach korrespondiere sie Erkenntnissen der Neuen Wissenschaft, die auf der Grundlage ganzheitlicher Prinzipien und Anschauungen arbeite.
Lit.: Bochinger, Christoph: New Age und moderne Religion. Gütersloher Verlagshaus: Gütersloh, 1994.