(Lat. spiritus, Hauch, Atem, Geist, Seele). Grundsätzlich ist bei diesem „Geisterglauben“ zu unterscheiden zwischen S. als pseudoreligiöser Erscheinungsform und S. als Erklärungshypothese paranormaler Phänomene.
1. S. als Ideologie (= Offenbarungsspiritismus als Religion oder Religionsersatz) stellt eine geistige Bewegung dar aufgrund der Annahme, dass durch bestimmte Mittelspersonen („Medien“) eine Verbindung (mentaler, verbaler u.a. Art) mit den Seelen der Verstorbenen möglich sei. In Séancen (spiritistischen Sitzungen) erhofft man sich, durch mediale Praktiken (Planchette, Tischrücken usw.) „Offenbarungen“ aus dem Jenseits zu erhalten. Als Beginn der spiritistischen Bewegung wird das Jahr 1848 angesehen, als im März dieses Jahres im Haus des methodistischen Farmers John David Fox in Hydesville, New York, Spukphänomene in Form von Klopfgeräuschen auftraten, die sich um die Töchter Margret und Katie konzentrierten. Ein Nachbar der Familie, Isaac Post, erfand dazu das Klopf-Abc zwecks Kommunikationsaufnahme, wobei beim Aufsagen des Abc beim entsprechenden Buchstaben ein Klopfton erfolgen sollte. Aus diesen Bewegungen entstanden spiritistische Neureligionen und „Kirchen“, wie z.B. der kardecistische und der umbandistische S. in Brasilien. Seitens der Katholischen Kirche werden spiritistische Praktiken als Gefahr für den Glauben sowie für die körperliche und geistige Gesundheit (Psychohygiene) abgelehnt, doch ist die wissenschaftliche Erforschung der Phänomene dadurch nicht getroffen. Strenge Vorbehalte und Kritikfähigkeit sind jedoch erforderlich, wie die Erfahrung zeigt.
2. S. als Deutungsmöglichkeit paranormaler Phänomene: Gegenhypothese zum Animismus. > Spiritistische Hypothese.
Lit.: Zahlner, Ferdinand: Kleines Lexikon der Paranormologie. Hrsg. Andreas Resch. Abensberg: Verlag Josef Kral, 1972.