Spinne

Symbol-Tier mit gegensätzlichen Bedeutungen, verbreitete Vorstellung vom Seelentier, u.a. im mitteleuropäischen Volksglauben, als solches bringe sie, je nach Tageszeit, Heil oder Unheil.
In der Bibel ist die S. wegen ihres fragilen Netzes ein Symbol des Hinfälligen und des eitlen Hoffens.
In Indien wird sie wegen ihres kunstvollen, radial angelegten Netzes und ihrer zentralen Position darin als Symbol der kosmischen Ordnung und als „Weberin“ der Sinnenwelt gesehen. Auch gilt sie dort als Sonnensymbol, weil sie ‒ wie die Sonne ihre Strahlen ‒ die Fäden ihres Netzes aus sich selbst hervorbringt. Und da sie an dem von ihr selbst gesponnenen Faden emporläuft, erscheint sie in den Upanishaden auch als Symbol der geistigen Selbstbefreiung.
Im Islam gelten weiße Spinnen als gut, schwarze hingegen als böse.
Die Dichtung sieht die S. einerseits als Teufelstier, andererseits als Schicksalsmacht.
In Europa hat sie Eingang in die Bildersprache des Unbewussten gefunden, wo sie die negative Symbolik der heimtückischen Blutsaugerin bedient, die ihre Opfer vorher umgarnt. Dies schafft auch eine Brücke zur Tiefenpsychologie, wo die im Zentrum des Netzes sitzende S. ein Symbol des Selbst in einem negativen, beängstigenden Aspekt verkörpert.
Und nicht zuletzt: So wie die S. bei verschiedenen Naturvölkern ein mythisches Urzeitwesen darstellt, werden auch S.ngewebe mit mythologischen Spekulationen assoziiert.

Lit.: Kullmann, Ernst/Stern, Horst: Leben am seidenen Faden. Stuttgart: Franckh-Kosmos, 1981; Nitzsche, Rainar: Spinnen: warum sie vor uns Angst haben. Aktuelles Spinnenwissen. Kaiserslautern: Nitzsche, 2012.

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