Auch Sphynx (Plural: Sphinxe oder Sphingen). Das griechische Wort S. leitet sich von ägyptisch schesep anch („lebendes Abbild“) her, womit vor allem Löwen mit Menschenköpfen gemeint waren.
Der männliche S. Ägyptens bezeichnet den liegenden Körper eines Löwen mit dem Kopf eines Pharao. Der Löwe galt seit jeher als königliches Tier, so dass sich im S. die tierische Kraft des mächtigen Raubtieres mit der Weisheit des menschlichen Herrschers zu einer Erscheinungsform des Königtums und darüber hinaus zu einem göttlichen Mischwesen verbindet. Durch die Vermischung von Aspekten des Sonnen- und Königskultes wurde z.B. der S. von Giza im Neuen Reich als Harmachis („Horus im Horizont“) und damit als eine Form des Sonnengottes Re verehrt. Die 2019 entdeckten Sphingen mit Widderkopf wurden zum Sonnengott Amun-Re in Beziehung gesetzt.
Die weibliche S. der griechischen Mythologie erscheint als geflügelter Löwe mit einem Frauenkopf und gilt als Todesdämon. Dass sie zum Synonym für Rätselhaftigkeit wurde, verdankt sie dem Mythos von der thebanischen S., die jeden tötete, der ihr Rätsel nicht lösen konnte. Ödipus fand die Lösung, woraufhin sich die S. in die Tiefe stürzte.
In Europa erlebte die Darstellung von Sphingen seit der Renaissance eine Wiedergeburt, und zwar sowohl in männlicher als auch in weiblicher Form. Da die monumentalen Skulpturen seit jeher als mächtige Schutzwesen galten, bewachten sie häufig den Zugang zu Park- und Palastanlagen.
In der Freimaurerei deutet die Mischgestalt auf die Verhüllung maurerischer Geheimnisse hin.
Lit.: Demisch, Heinz: Die Sphinx: Geschichte ihrer Darstellung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart: Urachhaus, 1977.