Sphärenharmonie

Auch Sphärenmusik, von Pythagoras aufgestellte Theorie, der zufolge zwischen den Tönen der Tonleiter und der harmonischen Bewegung der Planeten eine mathematische Beziehung besteht. Grundlage der Hypothese zur S. ist die Vorstellung, dass den Intervallen der Tonleiter genau identische Abstände der Planeten entsprechen bzw. dass in den Verhältnissen der scheinbaren Planetenbewegungen die Stufen der Tonleiter ausgedrückt sind.
Die Idee einer S. wurde von Platon, Cicero, Plinius d. Ä., Nikomachos von Gerasa (2. Jh. n. Chr.), Censorinus (3. Jh. n. Chr.) und Boethius weiterentwickelt, geriet im Laufe des Mittelalters aber allmählich in Vergessenheit, sieht man von dem italienischen Humanisten Marsilio Ficino (1433-1499) ab, für den die symbolischen Zusammenhänge zwischen den Himmelskörpern und der Musik von hohem Interesse waren und der versuchte, die verschiedenen Sterne und Sternbilder mit Klängen in Beziehung zu setzen.
Neu entdeckt wurde die S. erst wieder von dem Astronomen Johannes Kepler (1571-1630), der in seinem Hauptwerk Harmonices mundi libri V (1619), anders als seine Vorgänger, von elliptischen Bahnen der Planeten ausging und so auf sieben Urharmonien stieß: Oktave, Quinte, Quarte, große Sexte, große Terz, kleine Terz und kleine Sexte. Als noch bedeutender stellte sich die Erkenntnis heraus, dass die Verhältnisse der Planetenbahnen jenen der Obertonreihe entsprechen. Diese Beziehungen wurden in der Moderne vor allem von den Musikwissenschaftlern Hans Kayser, Rudolf Haase und Wilfried Krüger untersucht, die sieben harmonikale Grundgesetze im Makro- und Mikrokosmos entdeckten.
Die Sphärenmusik gehört auch zu den Grundbegriffen der New Age-Musik.

Lit.: Schavernoch, Hans: Die Harmonie der Sphären, die Geschichte der Idee des Welteneinklanges und der Seeleneinstimmung. Freiburg i.Br.: Alber, 1981; Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik. Wiesbaden: fourier, 1991.

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