Spanischer Stiefel

Beinschraube, mittelalterliches bzw. frühneuzeitliches Folterinstrument als gebräuchliches Mittel zur sog. Wahrheitsfindung. Der Sp. S. bestand aus zwei Schraubstöcken, die so geformt waren, dass sie die Unterschenkel des Opfers umschlossen und dann mittels seitlich angebrachter Gewindestäbe zusammengepresst wurden. Das Instrument wurde zunächst in Spanien angewandt, war ab dem 16. Jh. aber nahezu in ganz Europa verbreitet, wo es noch bis Mitte des 18. Jahrhunderts in Verwendung blieb. In den meisten Fällen diente es der Territion (lat. terrere, in Schrecken setzen) als Vorstufe der peinlichen Befragung. Das heißt, dem Angeklagten wurden die Folterwerkzeuge gezeigt bzw. auch angelegt, aber ohne Schmerzen zu verursachen. Sie erwiesen sich auch in Fällen von Hexerei als ein wirksames Mittel zum Erpressen von Geständnissen.

Lit.: Helbing, Franz: Die Tortur: Geschichte der Folter im Kriminalverfahren aller Völker und Zeiten. Berlin: J. Gnadenfeld, 1902, S. 113 f. (Nachdr.: Bechtermünz, 1999).

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