Spanda

Wichtiger Begriff im Kaschmirischen Shivaismus, einer nicht-dualistischen hinduistischen Denktradition. Der Begriff stammt aus dem 8. Jh. und bezeichnet subtile, nichtmaterielle, nichtempirische Schwingungen im Göttlichen, die den Potentialitätswellen vergleichbar sind, weil das Universum aus ihnen emaniert. Ursprung und Grundlage der manifestierten Welt in dieser Tradition ist ein göttliches Bewusstsein, das die Natur von Schwingungen hat: Spanda.
„Das Selbstbewusstsein in dem Herzen, in dem das ganze Universum restlos aufgelöst ist, welches am Anfang wie am Ende der Wahrnehmung der Dinge anwesend ist, wird in den maßgeblichen Texten Schwingung (Spanda) genannt und, genauer, die kosmische Schwingung, und sein Wesen ist ein Überfließen in das Selbst. Denn diese Schwingung, die eine leichte Bewegung von besonderer Art ist, ein einzigartiges schwingendes Licht, ist die Welle des Ozeans des Bewusstseins, ohne dass es überhaupt kein Bewusstsein gibt… Dieses Bewusstsein ist das Wesen von Allem“ (Muller-Ortega, The Triadic Art of Shiva, 118).
In dieser nicht-dualistischen Weltsicht werden alle Dinge und Phänomene als in einem kosmischen Bewusstsein vereint gedacht. Alles hängt mit allem zusammen. Dieses Bewusstsein ist S., ein dem Göttlichen innerlicher Schwingungsprozess, in dem die manifestierte Welt erschaffen wird.

Lit.: Muller-Ortega, Paul Eduardo: The Triadic Heart of Shiva. New York: State University of New York Press, 1989; Schäfer, Lothar: Die Quantenwirklichkeit und die philosophia perennis. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 60 (2011) 3, 195-219.
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