Spagyrik

(Griech. spáein/spágein, trennen, separieren; ageírein, sammeln, wiedervereinigen), bezeichnet die der Alchemie zugehörige Bereitung von Heilmitteln im Sinne des Elixiers und seiner Anwendungsmöglichkeiten, da alchemistische Arbeit sich stets in drei Stufen vollzieht: 1. Trennung, 2. Reinigung, 3. Wiedervereinigung. Dies führe, nach alchemistischer Auffassung, zu einer Erhöhung und Freilegung bestimmter Heilkräfte der Pflanzen oder sonstiger Ausgangssubstanzen. S. meint also die Anwendung derartiger Methoden zur Herstellung insbesondere pflanzlicher Heilmittel (Tinkturen, Essenzen usw.). Allerdings bedeutet „spagyrisch“ nicht gleich „alchemistisch“. Nach Manfred Junius (1929-2004), Prof. für Medizin an der Universität von Kalkutta und Verfasser des praktischen Handbuches der Pflanzenalchemie, das bis heute zu den Standardwerken der S. gehört, nutzen gewöhnliche Tinkturen die Heilkräfte der Pflanzen, aus denen sie bereitet werden, nur zum Teil: „Die spagyrische Aufbereitung… legt durch ihr eigenes Verfahren höhere Heilkräfte frei. Sie ist im Prinzip synergistisch und weniger an einzelnen pharmakologisch aktiven Prinzipien interessiert. Man kann der Methodik der Spagyrik nicht gerecht werden, wenn man sie nach den Maßstäben der analytischen Chemie oder Pharmakologie misst, selbst wenn diese Wissenschaften auf ihre Art einen Teil der Wirkungen spagyrischer Heilmittel erklären können. So wie die Homöopathie ihre eigenen Erkenntnisse, Erfahrungen und Gesetze hat, die mit den bisher bekannten chemisch-analytischen Kenntnissen allein nicht fassbar sind, besteht auch die Spagyrik auf ihren eigenen Maßstäben, für welche sie ihre eigenen Vorstellungen und Symbole hat. Bei vielen dieser Vorstellungen und Begriffe handelt es sich um Analogien, welche sich aber… in der Praxis als äußerst wertvoll erweisen. Wir dürfen die Spagyrik und die Alchemie als Ganzes nicht nur als eine Vorstufe der späteren wissenschaftlichen Chemie betrachten, es handelt sich eher um eine andere Betrachtungsweise der Natur und ihrer Kräfte…“ (Junius, Pflanzen-Alchemie, S. 12-13).
Der Begriff S. wurde vermutlich von Paracelsus (1493/94-1541) geprägt. Als „letzter deutscher Spagyriker“ gilt der Arzt Carl-Friedrich Zimpel (1801-1879).

Lit.: Junius, Manfred M.: Praktisches Handbuch der Pflanzen-Alchemie. Interlaken: Ansata, 1982.

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