Weissagung durch Lose (griech. kleroi; lat. sortes). Diese waren Würfel, Hölzchen, Knöchelchen, möglicherweise auch schon im Altertum bemalte Karten. Dabei wurde darauf geachtet, wie die Lose fielen. Es gab aber auch schon eine bestimmte Technik, sie aufzulesen ‒ daher das spätlateinische Wort sortilegium, „Auflesen der Lose“. Wer sich auf diese Technik verstand, war ein sortiarius (davon leitet sich franz. sorcière, Zauberin, ab). Berühmte Losorakel existierten im Altertum u.a. in Klaros, Praeneste und Antium. Für den Privatgebrauch gab es Bücher wie die Sortes Sangallenses oder die Sortes Astrampsychi.
Vermutlich besteht auch im Deutschen ein Zusammenhang zwischen „lesen“ und „Los“. Es dürfte sich um eine uralte Technik handeln, die im Kartenlegen weiterlebt.
Lit.: Luck, Georg: Magie und andere Geheimlehren der Antike. Stuttgart: Kröner, 1990.