Sophia

(Griech., Weisheit; hebr. chokmā; lat. sapientia). Die Lehre von der S. (Sophiologie) geht auf die Weisheitsliteratur des Alten Testaments zurück. Eine wesentliche Rolle spielt sie in der Überlieferung der Kirchengeschichte der abendländischen und der orthodoxen Kirche, wo sie als weibliche Hypostase neben Gott-Vater beschrieben wird, die bei der Schöpfung mitwirkt und diese als innerste Kraft zusammenhält. Große Bedeutung als das alles einende Element hat die S. bei der Erschaffung der Welt im russischen Christentum. Die Idee der göttlichen S. in der Schöpfung taucht in der Orthodoxie Russlands zum ersten Mal in der Religionsphilosophie auf. Wichtige Vertreter sind W. Solowjew, P. Florenskij und S.N. Bulgakow.
Ikonografisch von Bedeutung ist das Aufscheinen der S. in den Illustrationen der Weisheitsbücher, in Personifikationen und Allegorien. Die 532-537 in Konstantinopel erbaute Palastkirche Justinians I. war der Hagia Sophia („Heilige Weisheit“) geweiht.

Lit.: Wodtke, Verena (Hrsg.): Auf den Spuren der Weisheit. Sophia. Wegweiserin für ein weibliches Gottesbild. Freiburg i.Br.: Herder, 1991.
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