Ereignete sich im Rahmen der Erscheinungen von Fátima am 13. Oktober 1917 in der Cova da Ira nahe Fátima in Portugal. Schätzungen über die Zahl der Anwesenden reichten von 30.000 bis 100.000 Personen.
In einer Erscheinung der Jungfrau Maria am 13. Juli, 19. August und 13. September 1917 war den drei Hirtenkindern Francisco und Jacinta Marto sowie deren Kusine Lucia dos Santos von „Unserer Lieben Frau von Fátima“ versprochen worden, am Mittag des 13. Oktober 1917 in der Cova da Ira ihre Identität preiszugeben und ein Wunder zu wirken, „damit alle glauben können“.
Am besagten Tag regnete es in Strömen. Als sich schließlich die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke bahnte, wurde sie von vielen Augenzeugen als eine in irrem Wirbel um sich selbst drehende matte Scheibe wahrgenommen. Es entstand zuweilen der Eindruck, als würde sie sich vom Firmament lösen und auf die Erde stürzen, während die Anwesenden und die Landschaft ringsum in ein buntes Licht getaucht wurden. Das Schauspiel dauerte etwa zehn Minuten.
Die Kommentare ließen nicht auf sich warten. Von stratosphärischem Staub, einer Nebensonne, Netzhautverzerrungen bis hin zu UFO-Sichtungen war die Rede. Andere wiederum glaubten, dass es ein meteorologisches Ereignis gewesen sei, man aber dennoch von einem Wunder sprechen könne, da das Geschehen, wie den Kindern vorausgesagt, genau zum angegebenen Zeitpunkt eingetreten sei.
Von der römisch-katholischen Kirche wurde das Ereignis am 13. Oktober 1930 als Wunder anerkannt. Im Marianischen Jahr 1950 gab der päpstliche Delegat, Kardinal Todeschini, auf dem Platz vor der Basilika in Fátima bekannt, dass nicht nur die Pilger das Sonnenwunder 1917 gesehen hätten, sondern auch Papst Pius XII. vor der Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel am 1. November 1950 von den Vatikanischen Gärten aus des Sonnenwunders ansichtig geworden sei.
Lit.: Resch, Andreas: 100 Jahre Fátima, in: Ders.: Religiöse Erfahrungen und Wunder (Reihe R; 13). Innsbruck: Resch, 2018, S. 392-427.