Wichtigste religiöse Zeremonie der Plains-Indianer Nordamerikas. Der öffentliche Teil des S.es besteht in einer viertägigen Zeremonie, die innerhalb einer kresiförmigen Konstruktion aus Holzstämmen stattfindet, mit einem Zentralpfosten in der Mitte, auf dessen Spitze sich das Nest des Donnervogels (Adler) befindet, der im kosmischen Dualismus der Prärieindianer als Sinnbild des Himmels gilt und damit das männliche Prinzip verkörpert. Bei den meisten Gruppen steht das viertägige Tanzen und Fasten im Mittelpunkt, bei den Lakota bildet das Piercing (hier: Durchbohren der Brusthaut) den Höhepunkt. Obwohl 1883 in den USA verboten, überlebte der S. bei den meisten Gruppen, wurde in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts vielfach von sozialen Veranstaltungen, z.B. Jahrmärkten, überlagert und erst durch die indianische Protestbewegung der 70er Jahre als ausschließlich religiöse Zeremonie wiederbelebt.
Lit.: Nölle, Wilfried: Völkerkundliches Lexikon: Sitten, Gebräuche und Kulturbesitz der Naturvölker. München: Goldmann, 1959; Wörterbuch der Völkerkunde. Begründet von Walter Hirschberg. Berlin: Dietrich Reimer, 1999.