In Ägypten als gefährliches und gefürchtetes, zugleich aber auch heiliges Tier eingestuft, dem man göttliche Ehren erwies. Daher wurde Selkis, Fruchtbarkeitsgöttin und Schützerin der Lebenden wie der Toten, mit einem S. auf dem Kopf dargestellt. Man sprach ihr magische Heilkräfte zu und rief sie in entsprechenden Schutzzaubern an. Ebenso gibt es Darstellungen von S.en mit dem Kopf der Isis.
In Afrika galt der S. als Verkörperung dunkler Mächte, man wagte es nicht, seinen Namen auszusprechen. Die Ägypter fürchteten ihn gleichermaßen, Amulette und magische Sprüche sollten vor seinem Stich schützen und diesen heilen. So wurden in ägyptischer Frühzeit kleine S.figürchen als Amulette getragen. Am Ende der prähistorischen Zeit schrieb man den Namen eines Königs von Oberägypten mit dem Zeichen eines S.s und nannte ihn folglich König Skorpion bzw. Skorpion I. ‒ der erste bezeugte ägyptische Herrscher (Pharao) aus der vordynastischen Zeit (um 3200 v. Chr.).
Mit seinen Krebsscheren und dem giftstachelbewehrten Schwanz war der S. allgemein ein Symbol gefährlicher, todbringender Mächte und wurde als Verkörperung des Teufels angesehen. Auch in der mittelalterlichen Kunst stand er für Satan, für den Häretiker, für Neid und Tod. Im Gilgamesch-Epos erscheinen zwei S.menschen (Oberkörper Menschengestalt, Unterkörper Skorpiongestalt) als Hüter des Hölleneingangs. Zusammen mit der Schlange galt der S. auch als Widersacher des römischen Lichtgottes Mithras.
In der Bibel erscheinen S.e als Gottesstrafen (Sir 39,30; Offb 9,3-5), als Symbol für die abtrünnigen Israeliten und für den Teufel. Jesus gibt den Jüngern Vollmacht, „auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden (Lk 10,19).
Nach griechischem Mythos tötete ein S. den mächtigen Jäger Orion, woraufhin beide an den Sternenhimmel versetzt wurden, wo ihre Feindschaft weiterleben soll, da man nie beide Sternbilder zur gleichen Zeit zu Gesicht bekommt. In der Astrologie ist der S. das achte Zeichen im Tierkreis und wird von Mars regiert.
Lit.: Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991.