Skarabäus

(Ägypt. chepre), der „heilige Pillendreher“ (Mistkäfer), großer, angeblich ohne Zeugung entstandener Käfer. Analog dazu ist die Vorstellung des Gottes Chepri (oder Khepera) zu verstehen, der ‒ nach der Theologie der Priester von Heliopolis ‒ aus sich selbst entstanden war und dem Sonnengott Re angeglichen wurde. Während er in den Pyramidentexten noch als auf- und untergehende Sonne erscheint, sah man in ihm schließlich nur noch die aufgehende Sonne. Wie Re die Sonnenbarke über den Himmel gleiten ließ, stellte man sich Khepera vor, wie er den Sonnenball gleichsam als eine Mistkugel vor sich herschob. Die Gewohnheit der Käfer, große Dungballen zu rollen, war eine Metapher für den Lauf der Sonne.
Funde von getrockneten Käfern sowie Nachbildungen in Fayence und anderen Materialien zeigen, dass der S. in Ägypten Amulettkraft besaß. Für die Lebenden wurde er zum Amulett, das ihnen den Lebenshauch verlieh, mit dem es magisch aufgeladen war. Und unter den Toten gab es keine Mumie, die nicht auf der Brust einen S. trug, der das Herz des Verstorbenen daran hindern sollte, gegen ihn auszusagen. Außerdem sollte ein S. als Grabbeigabe den Träger an den Sonnenzyklus und die Erneuerung binden. Denn der S. war ‒ wenngleich aus unbekannten Gründen ‒ zum Symbol für „werden“, „neu bauen“ und „sein“ geworden. Möglicherweise, weil der ägyptische Name des S., chepre, dem Wort cheper sehr ähnlich ist, das „werden“ bedeutet.
Ab ca. 1938 wurden Skarabäen auch als Siegel verwendet, oft mit Sprüchen, Beamtentiteln oder eingravierten Namen von Stammesführern versehen. Da Skarabäen zudem häufig in Frauen- und Kindergräbern gefunden wurden, lässt sich die Amulett-Bedeutung auf die weibliche Fruchtbarkeit und den Schutz von Kleinkindern ausdehnen.

Lit.: Klausnitzer, Bernhard: Der Scarabaeus ‒ heiliges Symbol des Alten Ägypten. Leipzig: Springer-Verlag, 3. Aufl. 2019.

Setze ein Lesezeichen für den Permalink.