Silvester II.

(Ca. 950-1003), bürgerl. Gerbert von Aurillac, zunächst Erzbischof von Ravenna, im Jahre 999 zum Papst gewählt, gehörte zu den gelehrtesten Männern seiner Zeit. Ihm wird die Einführung der arabischen Zahlen im Abendland zugeschrieben, was aber nachweislich erst im Laufe des 12. Jh. erfolgte. Er verfasste Lehrschriften über Arithmetik und Astronomie, wobei er Anregungen aufnahm, die ihm während seiner Studienzeit in Katalonien zuteil geworden waren. Seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Mathematik trugen ihm den Ruf ein, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Im Volksglauben entwickelten sich ähnliche Sagen um ihn wie später um Albertus Magnus, Agrippa von Nettesheim und Faust. Da die geschichtlichen Quellen dermaßen von Legenden und Sagen durchdrungen sind, ist die historische Persönlichkeit des Gerbert von Aurillac kaum fassbar.
Seine Grabstätte befindet sich in der Kirche San Giovanni im Lateran. Der spätere Papst Sergius IV. ließ einen heute noch erhaltenen Grabstein errichten, dessen Inschrift zu unterschiedlichen Interpretationen Anlass gab: Iste locus mundi Silvestri membra sepulti venturo domino conferet ad sonitum (sinngemäß übersetzt: Dieser irdische Platz wird die begrabenen Glieder Silvesters bei der Ankunft des Herrn, wenn die Gebeine sich regen, zurückgeben). Dieses Regen der Gebeine wurde, in Anlehnung an Ez 37,4-8, als Beginn der Wiederauferstehung der Toten angesehen.

Lit.: Lindgren, Uta: Gerbert von Aurillac und das Quadrivium. Wiesbaden: Steiner, 1976; Habiger-Tuczay, Christa: Magie und Magier im Mittelalter. München: Diederichs, 1992.
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