Silbert, Maria

(* 24.12.1866 bei Friesach in Kärnten, Österreich; † 29.08.1936), ein zu ihrer Zeit international bekanntes Medium, dessen Echtheit aufgrund genauer Überprüfung durch Mediziner, Psychologen, Parapsychologen, Theologen und Vertreter anderer Wissenschaftszweige verbürgt ist. Schon in früher Kindheit zeigte sich ihre außergewöhnliche Begabung in visionären Hellgesichten, die jedoch seit ihrer späteren Jugendzeit völlig zurücktrat und sich erst wieder einige Jahre nach ihrer Verehelichung äußerte. Auf Drängen eines Freundes der Familie wurden versuchsweise erste Séancen durchgeführt und dabei die eigentliche mediale Kraft S.s entdeckt und aktiviert. Ab 1915 lebte S. mit ihrer Familie in Graz, wo sie bald als Medium bekannt wurde. In einer der ersten Sitzungen meldete sich ein Wesen, das sich mittels Klopftönen auf die Frage der Anwesenden als „Franziskus Nell, Offizier und Gelehrter in Nürnberg, gelebt von 1656 bis 1713“ zu erkennen gab. Spätere Nachforschungen ergaben seine Identität mit dem Nürnberger Offizier und nachmaligen Franziskaner, dem Ordensgeneral und Gelehrten Vincentius Coronelli. Von da an ereigneten sich zwanzig Jahre hindurch (bis zum Tod von Maria S. 1936) bei den fast täglichen Sitzungen vielfältige Phänomene, angefangen von einfachen Klopfgeräuschen über Lichterscheinungen verschiedenster Art, telekinetischen Effekten und Apporten bis hin zu Materialisationen, Berührungen durch materialisierte Körperteile usw. Sehr häufig waren spontan auftretende Gravuren des Namenszuges „Nell“ an Uhren, Ringen und anderen Schmuckgegenständen. Während die aufsehenerregenden Erscheinungen in der Öffentlichkeit viel Beachtung fanden, blieben die Botschaften, die „Nell“ mittels Diktaten in Klopftönen, Flammenschrift und Trance-Sprache an die Anwesenden und oft auch darüber hinaus an die Menschen überhaupt richtete, weithin unbekannt. Da sie aber aufgrund ihrer Inhalte den wesentlicheren Teil jener Geschehnisse darstellen, soll hier auszugsweise nur auf die damaligen Aussagen zum Weltgeschehen eingegangen werden.
Schon während des Ersten Weltkrieges (1916) erfolgte auf die immer wieder bei Sitzungen gestellte Frage nach dem Zeitpunkt des Kriegsendes die Antwort: „Achtzehn. Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, Österreichs Aar sich selbst zerfleischen wird, und wenn die Kronen ihre Zacken und ihren Wert verlieren werden, dann ist der Krieg verloren.“
Im Jahre 1920 kam folgendes Klopfdiktat: „Noch habt ihr keine Ursache zu klagen. Die Härte der Zeit werdet ihr erst zu fühlen bekommen, wenn in Deutschland ein Mann stehen wird, dessen Name mit ʻH’ beginnt. Dann wird die Welt in Aufruhr stehen und auch die, die ihr heute beneidet, werden ächzen unter dem Joche, welches Elend, Not und Feindschaft heißen wird.“
Eine offensichtliche Anspielung auf die Okkupation Jugoslawiens durch Deutschland enthält folgender in lateinischer Sprache übermittelter Text aus dem Jahre 1932: „Germania est Jugoslaviae dolorosa operatio.“
1933 wurde die anlässlich einer Sitzung gestellte Frage, wie lange Hitler an der Macht bleiben würde, folgendermaßen beantwortet: „Bis sein Werk den Wert besiegelt hat; und die Gelben werden es vollbringen.“ Ein anderes Mal hieß es: „Schaut gen Osten: da steigt es grau auf und rollt heran. Schreitet auf blutigem Weg. Und kennt kein Mitleid. Herzlos wird eure Zeit, was aber ist sie gegen jenen Osten!“
Kurz vor dem Tod S.s kam im April 1936 mit offensichtlichem Bezug auf den bevorstehenden Zweiten Weltkrieg die Ankündigung: „Wappnet euch, es dräuen Tage, die schwere Sorgen auslösen werden. Seid stark, bannet das Unheil mit unseren vereinten Waffen, und doch, es kommt die erlösende Stunde.“ Diese Waffen sind, wie aus einem anderen Text hervorgeht, geistiger Art: „Nur helfen, helfen, die Gedanken und den Willen als wertvollste Helfer in den großen Kampf schicken, denn geistige Waffen zeitigen einen begnadeten und segensreichen Sieg.“
Im Falle S. wurde mehrfach der Betrugsvorwurf erhoben und auch von kritischen Parapsychologen geteilt. Sich das Zustandekommen mancher Erscheinungen, z.B. das Gravieren eines Uhrglases von der Innenseite her, durch Tricks zu erklären, fällt jedoch schwer.

Lit.: Ozimic, Dolores: Das Medium Maria Silbert und die Botschaft der „Nell“-Diktate. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 30 (1981) 3, 162-171.
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