Sikhismus

Auch Sikhi, neben Hinduismus, Buddhismus und Jainismus die vierte große einheimische Religion Indiens. Er vereinigt Anteile aus dem Islam und dem Hinduismus mit mystischen Elementen aus dem Sufismus und dem Yoga.
Als Begründer des S. gilt Guru Nanak (1469-1539), dessen Lehre die Einheit Gottes und Bruderschaft des Menschen betont. Nanak bekannte sich zu keiner Religion, wurde jedoch als Guru anerkannt und betonte die Bedeutung des lebenden Meisters für den Weg zu Gott. Unter seinen Nachfolgern wurden eigene Feste und Wallfahrtsorte eingerichtet, erste Hymnensammlungen erstellt, die freie Küche institutionalisiert sowie die Gleichbehandlung von Männern und Frauen, Armen und Reichen ungeachtet der Kastenzugehörigkeit gefordert. Das Zentralheiligtum der Sikhs ist der „Goldene Tempel“ (Harimandir), der von allen vier Himmelsrichtungen begehbar ist, was symbolisch die Offenheit für alle zum Ausdruck bringen soll. Im Harimandir wird auch die heilige Schrift der Sikhs, der Adi Granth (das „ursprüngliche Buch“) aufbewahrt. Unter dem sechsten Guru namens Hargobind erfolgte der Übergang von der ursprünglich pazifistischen Haltung der Sikhs zur Militarisierung. Der zehnte Guru, Gobind Singh (1675-1708) vollendete diese Entwicklung durch die Gründung einer religiösen Waffenbruderschaft, der Gemeinschaft der „Reinen“. Er entschied zudem, keinen weiteren menschlichen Nachfolger mehr zu bestimmen, sondern dessen Funktionen auf den Adi Granth zu übertragen, der von nun an den Titel Guru Granth („Schrift-Guru“) trug.
Von den Bauern und Kriegern wurde fortan Kampfbereitschaft verlangt, die sich im Waffenemblem niederschlug und als Sikh-Symbol Bekanntheit erlangte: ein doppelschneidiger Dolch vor einem stählernen Wurfring, flankiert von zwei gekreuzten Schwertern.
Nach der Lehre der Sikhs ist Gott die absolute Wirklichkeit. Die äußerste Annäherung durch den Menschen hat in der Gebetsversenkung in den Gottesnamen zu erfolgen, mit der meditierenden Wiederholung desselben zur Überwindung von Karma und Reinkarnation. Dieser Weg steht allen offen, auch Frauen und Vertretern niederer Kasten. Bilderverehrung wird in jedweder Form abgelehnt.
Neben den mystischen Elementen ‒ als Ziel des Lebensweges gilt die Vereinigung mit Gott ‒ liegt der Fokus der Sikh-Religion auf der Ethik, die auf drei praktischen Grundsätzen beruht: „Gottes Namen beten“, „ehrliche Arbeit leisten“, „Verdienste mit anderen teilen“.

Lit.: Eißler, Friedmann: Sikhismus/Sikhi. Materialdienst der EZW 2 (2012), 70-74.
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