Signaturenlehre

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei der S. um eine Arzneimittellehre, bei der vom Äußeren (Farbe, Form) auf das Innere (Wesen, Wirkung) geschlossen und so ein Ausblick auf die zu erwartenden Heilkräfte versucht wird.
Signaturen, spezielle Merkmale oder Zeichen von Pflanzen, Tieren oder Mineralien, fanden schon in vorgeschichtlicher Zeit Beachtung. Das Heilwissen von Naturvölkern (Kräuterheilkunde der Germanen und Kelten, Indianermedizin) beruhte auf deren Signaturkenntnissen. Signaturen einer Pflanze z.B. (Farbe, Form, Geschmack) spielten auch in den jahrtausendealten Heilsystemen der Chinesen (Traditionelle Chinesische Medizin), der Inder (Ayurveda) und der Tibeter eine Rolle. Sie flossen ebenso in die Heilkunde der Antike und des Mittelalters ein (Schule von Salerno, Hildegard-Medizin).
Zu einer Neuentdeckung der Signaturen kam es in der Renaissance durch Paracelsus, der sie vermutlich aus der Volksheilkunde und der Sympathiemedizin seiner Zeit aufgegriffen hatte. Er entwickelte aus der Lehre ein komplexes Erkenntnissystem und integrierte dieses in sein hermetisches Weltbild. Paracelsus unterteilte die Signaturen in drei Grundprinzipien, das Feste (Sal), das Brennende (Sulfur) und das Flüchtige (Mercurius), ordnete sie den vier Elementen zu und unterstellte sie den sieben Planeten. Paracelsus ging von der Annahme aus, dass zwischen Mensch, Tier, Pflanze und Mineral Urverwandtschaften bestehen, die sich in deren Eigenschaften oder Merkmalen abzeichnen. Damit verhinderte er, dass dieser Erkenntnisweg im Abendland, das sich zunehmend von der Natur entfremdete, in Vergessenheit geriet.

Lit.: Rippe, Olaf u.a.: Paracelsusmedizin: altes Wissen in der Heilkunst von heute. Aarau/CH: AT Verlag, 2001.

Setze ein Lesezeichen für den Permalink.