Siger von Brabant

(13. Jh.), Philosophielehrer an der Pariser Artistenfakultät, Vertreter eines radikalen Aristotelismus.
Als Vertreter einer rationalistischen Anschauung versuchte S., Magie und die magische Wissenschaft als echte Wissenschaft und deren Effekt, die Wunder, als nicht dämonisch darzustellen. Als Ursachen für ein magisch induziertes Wunder kamen für ihn einerseits immaterielle Wesen (Engel, Dämonen), andererseits Himmelskörper in Frage. Er kam letztendlich zu dem Schluss, dass für die Wirkung von Kräutern, Orten und Zeiten bei magischen Handlungen Planetenkonstellationen ausschlaggebend seien. Wichtig sei auch theoretisches Wissen über andere Faktoren, wobei der Magier jedoch nicht auf die Hilfe von Dämonen oder Engeln angewiesen sei. Für S. war Magie Kunst und Wissenschaft zugleich. Die Wirkungsweise der magischen Künste lasse sich auf das Wissen um die Macht der Himmelskörper zurückführen, nicht auf Dämonenbeschwörung oder Teufelspakt.

Lit.: Habiger-Tuczay, Christa: Magie und Magier im Mittelalter. München: Diederichs, 1992.
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