Siebenschläfer

Die Bezeichnung leitet sich nicht vom gleichnamigen Nagetier ab, sondern von einer Legende, die der Geschichtsschreiber Gregor von Tours (538-594) erstmals in das Lateinische übersetzte. Demnach hatten sich in Ephesus sieben junge Christen um das Jahr 250 vor der Verfolgung unter Kaiser Decius in einer Berghöhle in Sicherheit gebracht, wo sie von ihren Häschern eingemauert wurden und in einen Schlaf verfielen, aus dem sie erst 195 Jahres später unter Kaiser Theodosius II. wieder erwachten, als ein Landmann am 27. Juni 446 die Höhle öffnete. Sie bezeugten den Glauben an die Auferstehung der Toten und entschliefen kurz darauf endgültig. Ephesus stellte sich als Stadt des Glaubens an die allgemeine Auferstehung neben Jerusalem und zog viele Pilger an, die sich in der Hoffnung auf ihre Auferstehung bei der Höhle der S. bestatten ließen.
Die Legende gibt es in der Ostkirche in mehreren syrischen und griechischen Varianten, sie fand auch Eingang in den Koran. In den Kalendern taucht das Gedächtnis der S. außer am 27. Juni auch noch an anderen Tagen auf. Von den Gläubigen wurden die S. in erster Linie bei Fieber und Schlaflosigkeit angerufen. Weit verbreitet waren Amulette, die sie schlafend in der Höhle zeigten.
Die S.-Verehrung war in Westeuropa schon im frühen Mittelalter gegeben. Eine weitere Blüte erlebte diese im 17. und 18. Jahrhundert.

Lit.: Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg i.Br. u.a.: Herder, 2000; Lexikon der Heiligen und der Heiligenverehrung, Bd. 3. Freiburg i.Br. u.a.: Herder, 2003.
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