(1465-1526). Dem „Vollkommenen Meister“, der die Derwisch-Bruderschaft der ʻIsawiyya gründete, wurden besondere Fähigkeiten nachgesagt: „der Blick, der die wilden Tiere bezwingt und sanft macht, die Unempfindlichkeit gegen Schlangen- und Skorpiongift, hellseherische Gaben, Vorausschau, Heilkraft in den Händen und im Speichel und schließlich die Macht, Feuer zu berühren und diese Fähigkeit auf andere zu übertragen“. Für ihn waren dies jedoch keine besonderen Wundertaten, vielleicht wollte er damit um Schüler werben oder aber es ging um Symbolhandlungen. So soll die Macht über das Feuer auf die Macht über das Höllenfeuer verweisen. Der Orden IbnʻIsas nimmt unter den anderen Orden insofern eine Sonderstellung ein, als er auch Frauen aufnimmt und sie in dieselben Grade einweiht wie Männer. Wie bei anderen Sufi-Bruderschaften dienen auch hier die dhikr-Übungen dazu, um ekstatische Zustände zu erreichen. Bei der großen Masse ist der Tanz das Mittel, um die eigenen Grenzen zu überwinden und die Gegenwart Gottes zu erlangen. Als Höhepunkt solcher Veranstaltungen fungiert das dreitägige Volksfest am Geburtstag des Propheten Mohammed in Meknes am Grab des „Vollkommenen Meisters“. Den Mittelpunkt der Feierlichkeiten bildet die Opferung eines Stieres, der dem Scheich IbnʻIsa symbolisch dargeboten wird.
Lit: Prenner, Karl: Islamische Mystik, religiöse Praktiken und Rituale. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 65 (2016) 1, 33-57.