Darunter fällt 1. eine Sammlung von Orakelschriften, die im offiziellen Kult von Rom eine Rolle spielten und der Sibylle von Cumae zugeschrieben wurden. Die im Keller des kapitolinischen Jupitertempels aufbewahrten Texte durften von den Priestern nur auf Geheiß des Senats befragt werden. Bei einem Tempelbrand auf dem Kapitol 83 v. Chr. verbrannte die Sammlung. Daraufhin wurde aus griechischen Quellen eine neue Sammlung zusammengetragen, die um 400 zerstört wurde.
2. Die Oracula Sibyllina („Sibyllinische Weissagungen“), eine im 5. oder 6. Jh. erstellte Sammlung anonymer griechischer Weissagungen in Hexametern. Von 14 Büchern sind noch 12 erhalten. Die Texte zeigen u.a. hellenische, jüdische und christliche Einflüsse. Vom Inhalt her dominiert der eschatologische Aspekt.
Lit.: Fischer, Jens: Folia ventis turbata – Sibyllinische Orakel und der Gott Apollon zwischen später Republik und augusteischem Principat. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2022.