Shintoismus

(Jap. Shintō, „Weg der Götter“), Urreligion Japans. Als organisiertes Glaubens- und Ritensystem gibt es den S. ungefähr seit Beginn unserer Zeitrechnung. In seiner frühen Form war er eine primitive Naturreligion, welche die Verehrung von Naturgottheiten zum Inhalt hatte. Sämtliche Naturerscheinungen galten als von einer Gottheit (Kami) beherrscht. Die wichtigsten Gottheiten waren Vater Himmel und Mutter Erde, welche die japanischen Inseln und die übrigen Gottheiten erschufen. Die bedeutendste ihrer Schöpfungen war Amaterasu Omikami, die sich nach shintoistischem Glauben zum Herrscher über die Sonne aufwarf und ihren Enkel zur Erde sandte. Dieser ergriff Besitz von jenen Inseln, die Japan bilden, und begründete eine ewig dauernde Dynastie. Auf dieser mythologischen Vorstellung gründet der zentrale Gedanke des Shintō-Glaubens.
Im 5. und 6. Jh. wurde der S. stark vom chinesischen Konfuzianismus und vom Buddhismus beeinflusst. Von Ersterem übernahm er die Ahnenverehrung, von Letzterem philosophische Gedanken und Riten. 1868 wurde er zur Staatsreligion erhoben und der japanische Kaiser als göttlich verehrt. Die Vorrangstellung als Staatsreligion ging 1945 verloren und 1946 verzichtete der Kaiser auf jedweden Anspruch auf „Göttlichkeit“.

Lit.: Lokowandt, Ernst: Shintō: eine Einführung. München: Iudicium, 2001.
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