Chinesische Bezeichnung für Geister, im Altertum war damit der Ahnengeist gemeint. Ursprünglich war die Ahnenverehrung allein auf adelige Familien beschränkt, bis der Kult in der Han-Dynastie (202 v. Chr. bis 220 n. Chr.) auch auf die Normalsterblichen ausgedehnt wurde. Da das alte China keinen Seelenbegriff im griechisch-christlichen Sinn kannte, ist der S. nicht unsterblich, sondern von ständigen Opfergaben abhängig.
Später wurde der Begriff S. auch für eine Gottheit benutzt, wobei aber die Grundbedeutung nach wie vor der Ahnengeist blieb. Wie dieser zu existieren aufhört, wenn die Opfer eingestellt werden, hört die Gottheit auf zu wirken, wenn keine Opfer mehr dargebracht werden.
Der chinesische Philosoph Cheng Hao (1032-1085) versteht S. als spirituelle Haltung, deren Zweck darin besteht, ein gutes Leben zu führen.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin wiederum ist S. der sog. Lebensgeist. Im engeren Sinn bezeichnet er die seelischen Funktionen, im weiteren Sinn alle lebendigen Aktivitäten des menschlichen Organismus.
Lit.: Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen. Hrsg. v. John Bowker/Karl-Heinz Golzio. Düsseldorf: Patmos, 1999.