(1564-1616), englischer Dichter, Theaterunternehmer und Schauspieler.
Die besondere Präsenz des Übernatürlichen in den englischen Dramen während des elisabethanischen Zeitalters verdankt sich vor allem W. Sh., der an allen Aspekten dieses Themas, vor allem aber an Geistern, interessiert war. Darüber hinaus spielte er als großer Dramatiker stets auf das Vorhandensein übernatürlicher Kräfte an, ohne das gespenstische Element unbedingt einzusetzen. Besonders bekannt sind die machtvollen Geisterszenen in seinen Dramen Julius Caesar und Macbeth, welche die gesamte Handlung in irgendeiner Weise beherrschen. Geisterhafte Momente gibt es ebenso im Hamlet. Dennoch verabsäumt es Sh. nicht, das Übernatürliche auch in Komödien wie Ein Sommernachtstraum oder Der Widerspenstigen Zähmung ins Spiel zu bringen.
Vor allem seine letzten Dramen, The Winter’s Tale (Das Wintermärchen), Cymbeline und The Tempest (Der Sturm, 1610/11) mit ihrer märchenhaften, an das Wunderbare grenzenden Handlung wurden in den letzten Jahrzehnten symbolisch ausgelegt. The Tempest z.B. wird als Mysterienspiel verstanden.
Eines von Sh.s Grundmotiven ist der Sturm, der u.a. in den Tragödien Julius Caesar (1599), Macbeth (1601/2) und King Lear (1608) eine Rolle spielt. Er ist ein Hinweis darauf, dass der Kosmos aus den Fugen zu geraten droht, wobei die ihn auslösenden Mächte im Ungewissen bleiben. Dem Zerstörerischen wohnt aber auch eine heilsame Kraft inne. So wird Bestehendes aufgelöst und zu etwas Neuem zusammengefügt. Als heilendes Element kommt die Musik zum Tragen, die den Kontrast zum Sturm bildet.
Das Werk Sh.s durchziehen Anklänge an den paradiesischen Urzustand, wenngleich auf ironische Weise. Die Welt ist Bühne, auf der Schauspieler ihren kurzen Auftritt haben, um dann zu verschwinden. Die aus der Antike überlieferte Bühnenmetapher wird bei Sh. zu einem Symbol der rätselhaften menschlichen Existenz.
Lit.: Wilson, John Dover: Life in Shakespeareʼs England: A Book of Elizabethan Prose. Cambridge University Press, 2009 (Orig.ausg. 1911); Matthews, Honor: Character and Symbol in Shakespeareʼs Plays. Cambridge University Press, 2009 (Orig.ausg. 1962).