Sferics

Auch spherics, kurz für engl. atmospherics (elektromagnetische Störungen in der Atmosphäre), schwache, sehr kurze elektromagnetische Impulse, die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen und denen schon früh eine biotrope Wirkung nachgesagt wurde. Eine Abschirmung ihnen gegenüber ist nicht möglich, da sie problemlos durch jede Hauswand dringen.
Entdeckt wurden die S. Anfang des 20. Jahrhunderts, als man der Ursache von Störungen in Radioempfängern (z.B. Knistern) auf den Grund gehen wollte. Eine gezielte Untersuchung setzte jedoch erst zu Beginn der 1980er Jahre ein.
Elektromagnetische Impulse, die durch atmosphärische Entladungen ausgelöst werden, stehen nicht zuletzt auch im dringenden Verdacht, die Unfallhäufigkeit im Straßenverkehr zu erhöhen. Vor allem die Frequenzbänder um 10 kHz und 27 kHz scheinen biologisch hochwirksame Frequenzen zu sein. Es bedarf jedoch noch weitergehender Forschungen, da sich hier mehrere Probleme überlagern. Amplituden, Impulsfrequenzen, Impulsfolgefrequenzen sowie Modulationsfrequenzen sind bezüglich der biologischen Wirkung gleichermaßen relevant.

Es wurde zudem die Hypothese überprüft, ob wetterfühlige Personen eine erhöhte Empfindlichkeit für S. besitzen und so z.B. einen Witterungswechsel vorzeitig wahrnehmen können. Untersuchungen ergaben, dass S. die elektrokortikale Aktivität des Menschen beeinflussen können. Personen, die durch ein hohes Maß an generellen und wetterbedingten körperlichen Beschwerden sowie Neurotizismus gekennzeichnet sind, reagieren auf die Sferics-Stimulierung mit einem besonders lang anhaltenden Leistungsanstieg ihrer elektrokortikalen Aktivität. Weiters wurde festgestellt, dass es eindeutige Korrelationen zwischen der Intensität von VLF-Sferics (niedrig frequente Sferics) und Befindens- bzw. Verhaltensänderungen des Menschen gibt und dass diese sozialmedizinisch relevant sind.
Die zugrunde liegenden physiologischen Mechanismen sowie die biologische Relevanz des Phänomens sind noch nicht vollständig geklärt. Wie sich herausgestellt hat, könnte als möglicher Angriffsort der Sferics-Wirkung die Epiphyse fungieren, deren Melatoninsekretion durch magnetische Felder beeinflusst werden kann, da bekannt ist, dass Melatonin neuromodulatorische Funktionen besitzt.

Lit.: Faust, Volker: Biometeorologie: der Einfluss von Wetter und Klima, in: Andreas Resch: Kosmopathie: der Mensch in den Wirkungsfeldern der Natur (Imago Mundi; 8). Innsbruck: Resch, 2. Aufl. 1986, S.137-165; Bergsmann, Otto: Bioelektrische Phänomene und Regulation. Teil II. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 44 (1995) 2, 121-139; Resch, Andreas: Aspekte des Unerklärlichen. Tagungsbericht. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 46 (1997) 1, 19-54.

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