Die Verbindung von Magie und Sexualität reicht bis in die Vorzeit zurück. Eine besondere Ausbildung erfuhr sie in den religiösen Systemen des Tantrismus und Yoga. Die abendländische S. nahm ihren Ausgang von den Praktiken gnostischer Sekten, wie Karpokratianer (2. Jh. n. Chr.) und Phibioniten. Mittelalterliche Nachahmer waren die Adamiten, Picarden und Fraticelli. Nachweislich praktizierte S. findet sich in den satanischen Sekten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich sowie im Orden Astrum Argentum von Aleister Crowley.
Unter S. ist eine Technik zu verstehen, die zu verschiedenen Zwecken eingesetzt und in unterschiedliche magische Ansätze integriert werden kann. Die im Kontext des westlichen Okkultismus verstandene S. ist stark von der westlichen Rezeption hinduistisch-tantrischer Lehren geprägt.
Die beiden Hauptunterschiede von westlicher S. und tantrischen Ansätzen bestehen darin, dass dort im Allgemeinen der Orgasmus zu vermeiden versucht wird, während der Sexualmagier die „freiwerdende Energie“ für seine Zwecke zu nutzen trachtet. Außerdem liegt das Ziel tantrischer Praktiken in sexualmystischen Bestrebungen, die auf eine Vereinigung der polaren Kräfte von „männlich“ und „weiblich“ ausgerichtet sind und die Erfahrung der Unio Mystica suchen.
Lit.: Glowka, Hans-Jürgen: Deutsche Okkultgruppen 1875-1937. Augsburg: Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, 1981; Mayer, Gerhard: Moderne magische Praxis: Modelle ‒ Techniken ‒ Schulen. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 59 (2010) 2, 99-134.