Seth

Ursprünglich vermutlich ein lybischer Wüstengott, der als solcher im ägyptischen Pantheon als Fremdling betrachtet wurde. Er repräsentiert die Ambivalenz und die Ambiguität des Göttlichen. In der Thinitenzeit (ca 3000-2740 v. Chr.) erscheint S. in Gestalt eines nicht identifizierten phantastischen Tieres (teils Windhund, teils Oryx, teils Esel usw.) oder in Gestalt eines Mannes mit dem Kopf eines der Fabeltiere. Er gilt seit jeher als Unheil stiftender Gott, der seinen Bruder Osiris getötet hat, und mit Horus, dem rechtmäßigen Erben, um den Thron Ägyptens kämpft.
Das (negative) Wesen dieses Gottes tritt auch in den Pyramidentexten zutage, wo er als „Herr von Oberägypten“ tituliert wird. Ein gewalttätiger Aspekt kommt auf, wenn vom Herrn des Sturms, der Sturmwolken und des Donners die Rede ist, womit er sich zum Feind des Lichtes macht.
Die positiven Seiten von S. finden in den Pyramidentexten keine Erwähnung, wohl aber in den Sarg- und den späteren Totentexten, wo S. als Helfer des Re und als Kämpfer in dessen Sonnenbarke gegen Apophis auftritt.
In der Spätzeit wird S. dann endgültig dämonisiert und seine Gestalt wird zum Symbol des Unheils. In der 2. Hälfte des 1. Jahrtausends werden Name und Darstellung, abgesehen von den lybischen Oasen, wo sein Kult fortbesteht, getilgt.

Lit.: Lerch, Frank: Io Erbeth – Mythos und Magie des ägyptischen Gottes Seth, Bd. I: Mythos. Rudolstadt: Edition Roter Drache, 2008.

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