Sennert, Daniel

(* 25.11.1572 Breslau; † 21.07.1637 Wittenberg), Arzt und Chemiater.
S. studierte Philologie und Medizin an den Universitäten Wittenberg, Leipzig, Jena und Frankfurt/Oder; Promotion 1601 in Wittenberg, mehrfach Dekan und Rektor der dortigen Universität. Aufgrund seines Einsatzes bei mehreren Pestepidemien wurde er von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen 1628 zum Leibarzt ernannt. S. gilt außerdem als einer der Erstbeschreiber des Scharlachs.
Unter dem Einfluss des deutschen Sozialmediziners Martin Pansa (1580-1626) versuchte S. in Wittenberg die chemiatrischen Lehren des Paracelsus einzuführen und dessen Anschauungen mit jenen von Galen und Aristoteles zu verbinden. Dies tritt bereits im Titel des 1619 erschienenen und dann mehrfach aufgelegten Werkes De chymicorum cum Aristotelicis et Galenicis consensu ac dissensu (Über die Übereinstimmungen und Gegensätze der Chymiater mit Aristoteles und Galen) zutage. S. zeigt sich darin völlig überzeugt von der Möglichkeit der Metalltransmutation. Während er jedoch die drei paracelsischen Prinzipien (Salz, Schwefel, Quecksilber) mit wesentlichen Organfunktionen des Körpers in Verbindung bringt, teilt er weder dessen Ansicht von den Krankheitsursachen noch glaubt er an den Einfluss der Gestirne. Worin er mit Paracelsus übereinstimmt, ist, dass alle natürlichen Körper eine Kraft enthielten, die auch die Metalle reifen lasse.
S. baut auf dem Gedanken der minima naturalia, der kleinsten in der Natur vorkommenden Elementarteilchen, auf und gilt so neben dem französischen Naturwissenschaftler Pierre Gassendi (1592-1655) als wichtigster Wegbereiter der modernen Atomistik.

W.: Hypomnemata physica de rerum naturalium principiis (Physikalische Kommentare zu den Prinzipien der natürlichen Dinge). Frankfurt/M., 1636.
Lit.: Eckart, Wolfgang Uwe: Antiparacelsismus, okkulte Qualitäten und medizinisch-wissenschaftliches Erkennen im Werk Daniel Sennerts (1572-1637), in: August Buck (Hrsg.): Die okkulten Wissenschaften in der Renaissance. Wiesbaden: Harrassowitz, 1992, S. 139-157.

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