Semnonenhain

Auch „Fesselhain“ oder „Fesselwald“ genannt, besondere Form eines heiligen Hains bzw. Kultstätte der ursprünglich zwischen mittlerer Elbe und Oder siedelnden Semnonen, wo laut Tacitus (Germania, Kap. 39) auch Menschenopfer stattfanden.
Die Semnonen, das Hauptvolk der Sueben, trafen sich zu bestimmten Zeiten in einem Hain, wo sie nach Opferung eines Menschen die schaurigen Weihen ihres Kultes begingen. Um die Macht der Gottheit zu bekunden, durfte der Hain nur in Fesseln betreten werden. Kam dabei jemand ins Straucheln, durfte er nicht aufstehen oder sich aufheben lassen, sondern musste sich auf dem Erdboden aus dem Hain hinauswälzen. Dieser Aberglaube ging auf die Vorstellung zurück, dass das Volk der Semnonen von diesem Hain seinen Ausgang genommen habe und dass dort der Gott wohne, der über alles herrsche und dem alles unterworfen und zum Gehorsam verpflichtet sei.

Lit.: Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Freiburg i.Br.: Herder, 2002.

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