Der Begriff S. wurde von dem russisch-belgischen Physikochemiker Ilya Prigogine (1917-2003) geprägt und folgendermaßen begründet: Die Klassische Physik umfasst lediglich ein kleines Gebiet unserer Umgebung. Sie beschäftigt sich mit Stabilität und Beständigkeit. Wenngleich die Klassische Mechanik in vieler Hinsicht erweitert wurde (Quantenmechanik, Relativitätstheorie), macht sie keinen Unterschied zwischen Zukunft und Vergangenheit. Zur Beschreibung von Prozessen, die eine Entwicklung, z.B. die Evolution, einbeziehen, muss eine Zeitrichtung eingeführt werden. Diese neue Forschungsrichtung widmete sich in zahlreichen Arbeiten der Erforschung der Prozesse, die zur spontanen Strukturbildung führen. Eine ausführliche Darstellung findet sich z.B. in Physik der Evolutionsprozesse, wo der Begriff der S. wie folgt definiert wird: „Unter Selbstorganisation verstehen wir einen irreversiblen Prozess, der durch das kooperative Wirken von Teilsystemen zu komplexeren Strukturen des Gesamtsystems führt. Die Selbstorganisation ist der Elementarprozess der Evolution, die als unbegrenzte Folge von Prozessen der Selbstorganisation verstanden wird. In diesem Sinne handelt es sich bei den Prozessen auf der Erde und im Kosmos in der Regel um Evolutionsprozesse, die nur im Zusammenhang mit ihrer Geschichte, d.h. der gesamten Kette der verursachenden Selbstorganisationsprozesse, verstanden werden können“ (ebd., S. 12).
Lit.: Ebeling, Werner/Engel, Andreas/Feister, Rainer: Physik der Evolutionsprozesse. Berlin: de Gruyter, 1990.