Seiler, Wenzel

Auch Seyler bzw. Wenceslaus (* um 1648 Prag?; † 1681 Wien), österreichischer Alchemist.
Über S.s. Leben existieren nahezu keine verlässlichen Angaben. In den 1670er Jahren betätigte er sich als Alchemist am kaiserlichen Hof Leopolds I. in Wien. Laut einem zeitgenössischen Bericht war S. ursprünglich Augustinermönch in Brünn (Mähren). Mit Hilfe eines alten Ordensbruders und mittels einer Wachskugel (die zu verborgenen Schätzen hinrollen sollte) entdeckte er in der Klosterkirche vier Päckchen mit dem Lapis philosophorum, jenem Stein, mit dessen Substanz abgeblich unedle in edle Metalle umgewandelt werden konnten. Nachdem der alte Mönch den Nutzen des Fundes erkannt hatte, stahl S. den Stein, floh aus dem Kloster und gelangte schließlich an den Hof des Kaisers, wo er einige erfolgreiche Transmutationen durchführte, die ihm die Erhebung in den Adelsstand und die Ernennung zum Münzmeister Böhmens einbrachten.
Zu den wenigen nachprüfbaren Tatsachen aus S.s Leben gehört die spektakuläre Transmutation einer großen Medaille in Anwesenheit des Kaisers 1677. Diese besteht aus einer Gold-Silber-Kupfer-Legierung mit an der Oberfläche vermutlich durch Anätzen mit Salpetersäure angereichertem Gold und befindet sich heute im Wiener Kunsthistorischen Museum. Mit seinen Aktionen reihte sich S. in die Schar der barocken Hofalchemisten ein.

Lit.: Priesner, Klaus/Figala, Karin: Alchemie (Hrsg.): Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München: Beck, 1998.
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